Egon Brunner vor seiner Brennerei

„Wi lang brännscht scho?“ werde ich immer wieder von Leuten gefragt. Wie kommt tatsächlich ein „Gstudierta“ Lehrer, noch dazu ohne Obstbäume und landwirtschaftlichen Besitz zu diesem Hobby?

Die Grundlagen habe ich sicher in meiner Kindheit mitbekommen, als ich in der „Desser-Siedli“ in der Holzmühle direkt neben einem bäuerlichen Betrieb aufwuchs. Ich denke heute noch gerne an diese Zeit zurück. Viele Begebenheiten sind mir in Erinnerung geblieben, vor allem das Mosten und Schnapsbrennen hat mich schon damals als Kind fasziniert.

Einen bedeutenden Teil ihres Einkommens bezogen die Geschwister Oskar, Maria und Stefanie Hagen nämlich aus ihrer – auch für heutige Verhältnisse noch – großen Obstanlage. Vor allem im Herbst während der Erntezeit waren zwei zusätzliche Hände stets willkommen und ich verbrachte praktisch meine ganze Freizeit bei den „Mänzes“.

Gab es dann jahreszeitlich bedingt in der Obstanlage weniger zu tun, war Oskar mit seiner fahrbaren Brennerei als Lohnbrenner unterwegs. Auch ich durfte ab und zu mal am Brennhafen Hand anlegen und dazuschauen, wenn Oskar kurz weg musste. Keine Frage, dass ich mir unglaublich wichtig vorkam.

Doch man wird älter und hat andere, plötzlich wichtigere Interessen. Nachdem Oskar dann verstarb und ich zu studieren begann, gerieten Obsterei, Mosten und Schnapsbrennen in Vergessenheit.

Wahrscheinlich wäre das auch so geblieben, wenn ich nicht durch den Schwager meiner Frau wieder zum Schnapsbrennen gekommen wäre. Sein Vater war ebenfalls Lohnbrenner gewesen und er führte diese Tradition auf der „Fahrbaren“ vom OGV Höchst weiter. Hier erwarb ich mir das erste Wissen und die alte Faszination war sofort wieder da. 1998 brannte ich dann meinen ersten eigenen Schnaps, einen Obstler und nach meinen heutigen Maßstäben wäää... , aber ich war stolz darauf.

In der Folge besuchte ich Kurse, studierte Fachliteratur und begann zu experimentieren. So war es nur eine Frage der Zeit, bis ich was Eigenes wollte. Unsere Pergola baute ich in eine stationäre Brennerei um und 2005 kam ein neuer 116 Liter Brennkessel von der Firma Cristian Carl dazu.

Das Problem mit dem fehlenden Obst hat sich insofern von selbst erledigt, dass immer wieder Leute auf mich zugekommen sind, die zwar einen oder mehrere eigene Bäume besaßen, aber mit dem Obst nichts anzufangen wussten. Für ein paar Flaschen Schnaps für das Obst war das dann eine win/win-Situation für beide Seiten. Mittlerweile bewirtschafte ich eine Vielzahl von Hochstammbäumen in Lustenau und der näheren Umgebung.

Ich stelle aus Überzeugung den größten Teil meiner Edelbrände reinsortig aus dem Obst dieser regionalen Hochstammbäume her.

Sie haben das Ortsbild der Gemeinden über Jahrhunderte geprägt, der neue Zeitgeist und der Feuerbrand lassen diese Bäume leider immer mehr verschwinden.

Neben einer sinnvollen Verwertung wollte ich das Potential beweisen, das in diesen alten und vielfach in Vergessenheit geratenen Sorten steckt und dass man daraus sehr wohl hochwertige Edelbrände herstellen kann. In meinem Sortiment findet man daher so exotische Bezeichnungen wie „Schofbirar“, „Erdbeerer“, „Tavernler“ und „Leongoseppler“.

Ich bin stolz darauf, dass mich diverse Auszeichnungen bei den Vorarlberger Landesprämierungen für Edelbrände dahingehend bestätigt haben.